Der Büffelflüsterer

Die unglaubliche Geschichte von Michel Jacobi

Interview | 68 min | Deutsch | mit Michel Jacobi

Michel ist 33 Jahre alt. Er kommt aus Kiel, einer Stadt in Norddeutschland, in der Nähe von der dänischen Grenze. Seine Eltern haben ihr eigenes Geschäft, und vor kurzem eröffnete sein Bruder eine eigene Fabrik. Michel wählte einen anderen Weg. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität Freiburg – einer Stadt in der Nähe von Frankreich und der Schweiz. Aber er wollte in Deutschland nicht bleiben.

Ich dachte, dass ich die ökologischen Bedingungen unserer Vorfahren, die in Deutschland nicht mehr existierten, in der Ukraine finden kann. Die Menschen sollten näher an der Natur leben, und das ist was ich an meinem Beispiel zeigen will.

Zuerst ist Michel der Longo Maї Kooperative beigetreten und half in der Siedlung Nyschne. Dann fing er an, sich für Büffel zu interessieren. Es stellte sich heraus, dass es Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in den drei umliegenden Dörfern mehrere tausend Büffel gab. Jeder Haushalt hielt damals Büffel so, wie heute man Kühe hält. Aber dann kamen die Kommunisten und beschlagnahmten all die Büffel zugunsten der Kolchose. Die Menschen blieben ohne ihr Hab und Gut. Alles wurde kollektiviert. Niemand konnte sich vorstellen, wie es sich auf die Tiere auswirken wird. Die Büffel in der Kolchose gaben keine Milch, deshalb wurden sie für das Fleisch geschlachtet.

In den 1990er Jahren blieben nur etwa ein hundert Büffel in den Dörfern übrig. Ihr Bestand nahm immer ab. Michel ist hierher vor sieben Jahren gekommen und begab sich auf die Suche nach Büffeln in jedem Hof und Dorf. Er hat einige gemeinnützige Stiftungen gefunden, die ihm bei der Suche halfen; einige Dorfvorsteher schenkten ihm Land, das niemandem gehörte. Michel begann mit dem Zusammenbringen von Büffeln aus der Umgebung.

Die Farm In Tschumalowo ist schon seine zweite, die erste liegt im Dorf Stebliwka. Michel sagt, dass es in Tschumalowo viel besser ist, da es ganz weit weg von den Menschen liegt und es fast keine Abfälle oder Müll auf den Feldern gibt. Im Sommer führt Michel die Büffel auf die Pereslip Polonyna (Bergweide in den ukrainischen Karpaten) im Kreis Rachiw. Der Weg dorthin dauert mehr als eine Woche mit mehreren Stopps in verschiedenen Orten zum Übernachten.

Im Gespräch mit Julia Szarvasy berichtet Michel Jacobi über sein außergewöhnliches Leben mit den karpatischen Wasserbüffeln.

 

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